
Trotz Waffenstillstands zwischen den USA und Iran gehen Angriffe auf die Kurdistan-Region weiter. Ein Bericht dokumentiert Hunderte Attacken und zeigt eine gezielte Verlagerung der Angriffe auf kurdische Oppositionsgruppen.
Trotz des angekündigten Waffenstillstands zwischen den USA und Iran halten die Angriffe auf die Kurdistan-Region des Irak (KRI) an. Das geht aus einem Bericht der christlichen Friedensinitiative Community Peacemaker Teams (CPT) hervor, der die Entwicklung seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen Iran dokumentiert.
Demnach wurden seit dem 28. Februar insgesamt 695 Angriffe im südlichen Kurdistan registriert. Allein in den ersten Wochen des Krieges bis zum Waffenstillstand am 8. April zählte die Organisation 647 Attacken durch die iranische Revolutionsgarde und mit ihnen verbündete Milizen. Auch danach riss die Gewalt nicht ab: Bis zum 24. April kamen weitere 48 Angriffe hinzu.
Der Bericht zeigt zudem eine deutliche Verschiebung der Angriffsziele. Während in der Anfangsphase des Krieges vor allem US-Einrichtungen im Fokus standen, richten sich die Attacken seit dem Waffenstillstand zunehmend gegen kurdische Oppositionsgruppen aus Rojhilat, die in Südkurdistan ansässig sind. Ein Großteil der jüngsten Angriffe zielte auf deren Lager und Stellungen.
Gleichzeitig waren auch zivile Gebiete und Infrastruktur betroffen. Neben militärischen Einrichtungen wurden Wohngebäude, Energieanlagen und Kommunikationsstrukturen getroffen. Insgesamt wurden mehr als 60 Wohnhäuser beschädigt, zahlreiche Fahrzeuge zerstört. Nach Angaben von CPT erforderten die Angriffe mindestens 123 Opfer; 21 Tote und über 100 Verletzte. Die tatsächliche Zahl könnte allerdings höher liegen.
Besonders stark betroffen von der Gewalt ist die Provinz Hewlêr (Erbil), wo ein Großteil der Angriffe registriert wurde. Die Region gilt aufgrund der Präsenz internationaler Einrichtungen sowie von Oppositionsgruppen als strategisch wichtiges Ziel. Der Bericht macht deutlich, dass der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran keine Entlastung für die Kurdistan-Region gebracht hat. Die Gewalt setze sich fort, wenn auch mit veränderter Zielrichtung.
Die Organisation fordert ein sofortiges Ende der Angriffe sowie Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung. Zudem wird die irakische Regierung aufgefordert, stärker gegen pro-iranische bewaffnete Gruppen vorzugehen und die territoriale Souveränität zu sichern. Auch Entschädigungen für betroffene Zivilist:innen werden verlangt.